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Geschichte der Kantorei

Erste Auftritte
Messe 2000 in St. Amable, Riom.
Der „Alte“ und der „Neue“ bei der Einführung von Udo Knauer am 12.09.1993
1986 in Rio de Janeiro
1981 in Wagga-Wagga
12.12.1971, Erste Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Bach. Die neue Bankanordnung in der umfangreich renovierten Kirche ermöglicht jetzt Aufführungen im Chorraum
Sternsingen 1974
Fernsehaufzeichung Weihnachten1977
Haydn Schöpfung auf der Hauptempore 25.04.1964
Orffs Carmina Burana auf dem bis zum letzten Platz besetzten Nördlinger Marktplatz am 26.9.1998 mit den Nürnberger Sinfonikern

Eine umfassende Chronik könnte ein ganzes Buch füllen. Es gäbe viel zu erzählen, was aber den Rahmen dieser Website sprengen würde. Deshalb seien nur einige grundsätzliche Dinge und Begebenheiten erwähnt, die ein passendes Gesamtbild ergeben können.

So fing alles an

Klaus Meinzolt schrieb anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Kantorei im Evangelischen Gemeindeboten vom Mai 1979:
„Als junger, in der Praxis relativ unerfahrener Kirchenmusiker begann ich 1954 meinen Dienst in Nördlingen. ... In der Gemeinde fand ich einen Kirchenchor vor, den mein Vorgänger im Amt, Oberlehrer Feulner, leitete. Daneben bestand ein Singkreis unter der Leitung von Friseurmeister Pfleiderer. Mein Auftrag war, beide Chöre zur „Kantorei“ von St. Georg zu vereinigen. Mit gemischten Gefühlen denke ich an die erste Probe in der Spitalkirche (Anm.: am 14. Mai 1954) zurück, wo mich Dekan Dr. Lotter offiziell vorstellte. Mühsam erarbeiteten wir einen einfachen vierstimmigen Chorsatz.“ Doch schon am 4.7.1954 konnte ein erstes Konzert mit Werken von Schütz, Bach und Buxtehude stattfinden.
„Die Proberei war anfangs doch sehr mühsam“, so schreibt Meinzolt in einer persönlichen Rückschau weiter. „Vor allem mussten auch die Chornoten zu jeder Probe im Waschkorb auf einem Leiterwagen zum Probenraum gebracht werden! Allmählich konnte ich mich an Schütz-Motetten und kleine Kantaten von Buxtehude wagen. Als Instrument in der St. Georgskirche stand mir die kleine Seitenorgel aus dem Jahr 1948 von der Firma Steinmeyer zur Verfügung. ... Wenn der Chor im Gottesdienst sang, stand dieser auf der Hauptempore. Entweder spielte Renate (Anm.: Meinzolts Frau) dann die Orgel oder ich musste während des Gottesdienstes von der kleinen zur großen Empore oder umgekehrt rennen während Glaubensbekenntnis oder Vaterunser“, anfangs sogar außerhalb der Kirche.

Erste Oratorien

Kaum zwei Jahre nach diesen bescheidenen Anfängen wagte sich Klaus Meinzolt an das erste große Oratorium, den „Messias“ von Händel, der am 8.4.1956 bei den „1. Rieser Kirchenmusiktagen“ aufgeführt wurde. Zur Verstärkung sangen noch ca. 25 Kollegen und Kolleginnen Meinzolts mit. Das zusammen gewürfelte Orchester bestand vorwiegend aus Laien. Die Rieser Kirchenmusiktage gab es insgesamt sechsmal.

Die Gottesdienste

Den Schwerpunkt neben den Oratorien bildete und bildet das gottesdienstliche Singen. Vor allem an den hohen Feiertagen wie Weihnachten, Karfreitag, Ostern, den Konfirmationen und bei vielen weiteren Anlässen ist die Kantorei im Einsatz. Höhepunkte bildeten Kantatengottesdienste. Verschiedene Fernsehaufzeichnungen oder Direktübertragungen (1977, 2000 und 2002) stellten eine besondere Herausforderung dar.

Diakonische Einsätze

Hinter diesem Begriff verbirgt sich das regelmäßige Singen im Stiftungskrankenhaus und im Bürgerheim. Es gab Zeiten, da war die Kantorei einmal monatlich im Einsatz, sehr zur Freude der Kranken und der Bewohner des Heimes. Heute beschränkt sich das Singen dort auf wenige Male im Jahr.

 

Das Nördlinger Sternsingen

Zum ersten Mal am 4. Adventssonntag 1956 organisierte Klaus Meinzolt das Nördlinger Sternsingen, das zu einer Tradition werden sollte, die sich bis heute ungebrochener Beliebtheit erfreut und die Kirche bis zum Bersten füllt. Alle Chöre der Kantorei singen und spielen von verschiedenen Plätzen der Kirche aus adventliche und weihnachtliche Weisen. Höhepunkt bildet das Quempas-Singen, bei dem die Kinder mit ihren Lampions durch die Kirche ziehen.

 

Mehr Oratorien

Im Lauf seiner Dienstjahre hat Meinzolt 15 verschiedene Oratorien, darunter alle Standartwerke der kirchenmusikalischen Literatur, sowie unzählige Kantaten von Bach, Buxtehude und anderen mit der Kantorei erarbeitet und in 74 Konzerten zur Aufführung gebracht.

 

Die Kantorei und die damalige Jugendkantorei – heute auch Kammerchor und Sing@Life-Gospelchor – reisten und reisen gern. Das liegt nicht zuletzt an ihren Leitern.

 

Reisen bis nach Übersee:

Nachdem die Stadt Nördlingen mit der südaustralischen Stadt Wagga-Wagga im Jahr 1968 eine Städtepartnerschaft begründet hatte, galt es diese zu beleben: 1981 brach KMD Meinzolt mit der Jugendkantorei und dem Bläserchor zu einer zweiwöchigen Konzertreise auf. 
 
Noch ein zweites Mal, anlässlich der 20-jährigen Partnerschaftsfeier mit Wagga-Wagga im Jahr 1988, unternahm Meinzolt eine solche Reise, diesmal mit der Kantorei und einem Kammermusikensemble.


Weil die evangelische Kirche in Bayern eine Partnerschaft zur lutherischen Kirche in Brasilien pflegt, und der Nördlinger Karl Gehring Pfarrer in Sao Paolo war, reifte der Plan, auch dorthin zu reisen - ein wagemutiges Unternehmen, weil kaum abzuschätzen war, wie die Pfarrer und Gemeinden vor Ort die Konzerte und die Unterbringung würden organisieren können. 1986 und 1992, ebenfalls 14 Tage lang  jeweils in den Osterferien, klappte das Unternehmen. Für jede Reise musste ab dem September vorher jeweils am Sonntagabend geprobt werden. Meinzolt erwies sich als Meister im Auftun von Zuschusstöpfen. Etwa 10 Konzerte mit geistlicher Musik und Volksliedern wurden auf jeder Reise absolviert, dazu den Teilnehmern viel Einblick in Familien, Gemeinden, Kultur und Sehenswürdigkeiten vermittelt.
Es waren Lebenseindrücke, die jeder Beteiligte bis heute nicht vergessen hat.

 

Musikalische Partnerschaft mit Riom

Am häufigsten jedoch haben die Chöre der Kantorei Riom bereist: Mehr als fünfzehn Mal waren sie bisher in der ca. 1000 km entfernten französischen Partnerstadt Nördlingens und haben mit viel beachteten Oratorienaufführungen oder a-cappella-Konzerten entscheidend zur Belebung der Partnerschaft beigetragen.
Hinzu kommen noch viele Fahrten und kleinere Reisen zu Konzerten „auswärts“, vor allem mit der Jugendkantorei, dem Sing@Live-Gospelchor und dem Kammerchor.

 

Verabschiedung von KMD Klaus Meinzolt

Am 4.7.1993 trat Klaus Meinzolt nach 39 Jahren segensreichen Wirkens in den Ruhestand. Die Gemeinde und ihre Chöre zollten ihm und seiner Frau Renate, die, selbst auch Kirchenmusikerin, ihn in all den Jahren tatkräftig unterstützt hat, gebührend Dank und Anerkennung.

 

Einführung von Kantor Udo Knauer

Am 12.9.1993 wurde der neuen Kantors Udo Knauer in sein Amt eingeführt. In seiner Antrittsrede sprach er sich u. a. aus für ein offenes Miteinander, für die Zusammenarbeit über die Chor- und Konfessionsgrenzen hinweg und bat abschließend: „Nehmen Sie sich einige Jahre Zeit, um mich und meine Arbeit zu beurteilen“.
 

Udo Knauer setzte die Arbeit seines Vorgängers erfolgreich fort. Allmählich wandelte sich jedoch das Bild der Chöre. Natürlich behielt er die Tradition der Oratorienaufführungen, der Nördlinger Orgeltage und des Sternsingens bei, er setzte jedoch auch neue Akzente:
Die Kantorei erarbeitete unter ihm bisher elf neue Oratorien oder Kantaten, darunter auch einige zeitgenössische Werke z. B. von Gerhard Deutschmann, Komponist und Knauers ehemaliger Musiklehrer oder Tilo Medek mit der beeindruckenden Rilke-Vertonung „Gethsemane“ (2003), vor allem aber auch Werke aus der Romantik (Schubert, Bruckner, Dvorák).

Die Zusammenarbeit mit anderen Rieser Chören und Ensembles erhielt neue Impulse: Regelmäßiger Tausch mit den katholischen Chören bei den Gottesdiensten zur ökumenischen Bibelwoche, gemeinsame Aufführungen mit dem Oettinger Kammerchor und dem Oettinger Kammerorchester (Werke von Deutschmann 1998) und ein Zusammenwirken fast aller Nördlinger Chöre anlässlich der 1100-Jahrfeier Nördlingens 1998 mit der „Carmina Burana“ von Carl Orff und im Jahr 2000 mit der 9. Sinfonie von Beethoven schufen unvergessliche gemeinsame musikalische Erlebnisse.

Anerkennung für seine kirchenmusikalische Arbeit zollte ihm die Evang.-Luth. Landeskirche mit der Ernennung zum Kirchenmusikdirektor am Sonntag Kantate 1999.
Seit Oktober 2003 steht Knauer ein vom Chor gewählter „Kantoreibeirat“ zur Seite, der den Chorleiter organisatorisch unterstützt.