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Sieg über „Tod, Teufel, Sünd und Hölle“

Bericht der Rieser Nachrichten vom 11.12.2015 über die Aufführung der Markuspassion von Reinhard Keisser am 03.04.2015 in St. Georg in Nördlingen

Ergriffen von dieser Markuspassion

Bericht der Rieser Nachrichten vom 07.04.2015 über die Aufführung der Markuspassion von Reinhard Keisser am 03.04.2015 in St. Georg in Nördlingen

Ungewohnte Heiterkeit und Innigkeit

Bericht der Rieser Nachrichten vom 17.12.2014 über die Aufführung der Kantate "Die Nacht ist vorgedrungen" von Udo Knauer und des Magnificat von John Rutter am 14.12.2014 in St. Georg

Ein Ringen von Leben und Tod

Bericht der Rieser Nachrichten vom 21.11.2013 über die Aufführung des deutschen Requiems von Brahms am 17.11.2013 in St. Georg

Festakt: Musik als wichtiges Element des Heimatgefühls

Bericht aus den Rieser Nachrichten zur Verleihung des Rieser Heimatpreises der Raiffeisen-Volksbank an die Kantorei St. Georg am 17.10.2013

Vergessene Kostbarkeit entdeckt

Kritik aus den Rieser Nachrichten zur Aufführung von Graun - Der Tod Jesu am 29.03.2013 in St. Georg

Innerlichkeit ergreifend dargestellt

Bericht aus den Rieser Nachrichten zur Aufführung des Messias von Händel am 11.11.2012

Glanzpunkt der Kirchenmusik in St. Georg

Bericht aus den Rieser Nachrichten zur Aufführung des Requiem von Verdi am 20.05.2012 in St. Georg

Bach Magnificat und Kantate "Nun komm, der Heiden Heiland" am 5. Dezember 2010

Blick auf den Chor
Blick auf das Orchester

Die Zerstreuung der Stolzen

St. Georg Bachs „Magnificat“ erstmals von der Kantorei einstudiert. Makelloser Jubel

 

Nördlingen Beinahe jedes namhafte Werk der protestantischen Kirchenmusik hat die Kantorei St. Georg in den über 55 Jahren ihres Bestehens bereits schon einmal oder gar mehrfach aufgeführt. Umso erstaunlicher die Tatsache, dass Johann Sebastian Bachs „Magnificat“ BWV 243 in den vielen Jahren seit Gründung des Chores noch nie einstudiert wurde und wahrscheinlich Ansporn zugleich, auch diese Komposition mit einem adventlichen Oratorienkonzert der inzwischen langen Repertoireliste hinzuzufügen.

Große Herausforderung

Das zu Unrecht im Schatten des Weihnachtsoratoriums stehende Werk nimmt mit seiner textlichen und musikalischen Faktur einen ganz besonderen Platz im Schaffen Johann Sebastian Bachs ein. Die Einschätzung des protestantischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der dem Lukasevangelium entnommene Lobgesang der Maria sei „das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen wurde“, macht bereits deutlich, welch große Herausforderung auf die Ausführenden und welch musikalischer Leckerbissen auf die vielen Konzertbesucher wartete. Strahlend mit Pauken und Trompeten bereitete die Orchestereinführung die Bühne für den ersten Chorauftritt der imposant besetzten Kantorei im Magnificat. Auch dank der obligaten Teilung des Soprans in zwei Stimmen kamen die Männerstimmen klanglich ebenbürtig zur Geltung und so wirkte der jubelnde Chorsatz mit seinen virtuosen Koloraturen stets ausgewogen und sicher.

Ein an Einfallsreichtum fast nicht zu überbietender Wechsel an Instrumentierungen und Ausdrucksformen forderte das gesamte Ensemble in der Folge, doch sowohl die fünf Gesangssolisten, als auch das professionell agierende Oettinger Bachorchester arbeiteten unter klarer Führung von Udo Knauer mit großer Einigkeit in jedem Satz des Evangelientextes den zugrunde liegenden Affekt heraus.

Hervorzuheben sicherlich das zarte Duett „Quia respexit“ für Sopran (Sabine Seidl) und konzertierende Oboe d’amore, die mit blitzsauberem Vortrag die Demut Marias ideal zum Ausdruck brachten.

Ein großes Kompliment auch für die mutige Besetzung des Sopran II mit der jungen Nördlingerin Johanna Schulze, die sich - flankiert und angespornt von ihren erfahrenen Kolleginnen - sowohl bei ihrer Solo-Arie aber vor allem im Terzett „Suscepit Israel“ zu bemerkenswerter Klangfülle mitreißen ließ.

Zwei Flöten und eine Pizzicato-Bass-Begleitung gaben den eleganten Hintergrund für die durch Anna Haase expressiv vorgetragene Altarie „Esurientes implevit bonis“. Auch die anderen Solisten (Matthias Heubusch, Tenor, Johannes Weinhuber, Bass) konnten mit Verständlichkeit und Ausdruck überzeugen.

Der dramatische Höhepunkt dann im Chorsatz „Fecit Potentiam“ mit seiner Steigerung zum Thema „dispersit superbos“ hin, der Zerstreuung der Stolzen. Die Musik Bachs bildet die Zerstreuung ab fast bis zum Chaos, mit Mühe scheinen die Stimmen zum Schluss zusammenzufinden, doch Udo Knauer gelang es, seine Tempovorstellung aufrechtzuerhalten und Chor und Orchester aufzuzwingen. Auch unterstrich in diesem Satz das perfekt aufeinander eingespielte Nördlinger Bachtrompeten-Ensemble einmal mehr seine Klasse. So auch im Schlusschor, wo noch einmal die prachtvolle Klangentfaltung des großen Ensembles zu erleben war und die Gestaltung des Eingangschores wieder aufgenommen wurde. „Wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit“, so endete das Magnificat überschwänglich und dramatisch, wie es begonnen hatte.

Deutliche Transparenz beider Ebenen

Dem Hauptwerk des Konzerts ging die 1714 in Weimar entstandene Adventskantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ BWV 61 voraus, die mit nur 3 Solisten und einem auf Streicher reduzierten Orchester eine kleinere und klanglich dezentere Besetzung vorweist.

Ursprünglich für den 1. Adventssonntag komponiert, verknüpfte Bach die altkirchliche Choralweise mit der damals modernen Form der Französischen Ouvertüre.

Die deutliche Transparenz dieser beiden Ebenen sowie die Sicherheit beim Wechsel von Takt- und Zeitmaß im fugierten Mittelteil ließen gleich zu Beginn aufhorchen. Die folgenden Sätze mit der Metapher vom Menschenherzen als der Wohnung Gottes bereiteten den Abgesang der letzten Strophe von Nicolais Morgensternlied vor, wo sich im figurierten Satz die Violinen technisch makellos zu adventlichem Jubel aufschwangen. (kec)

 

Kirchenmusikdirektor Udo Knauer entschied sich für die spätere, von Bach überarbeitete Fassung in D-Dur, jedoch ergänzt durch die vier weihnachtlichen Einlegesätze, wie sie schon in der Frühfassung von 1723 zum Weihnachtsfest vorgesehen waren. Diese Verknüpfung betonte die Herkunft des Magnificat-Textes aus der Weihnachtsgeschichte des Apostels Lukas.

 

Opens external link in new windowZum Bericht in der Augsburger Allgemeinen

Haas - Te Deum und Rutter - Mass of Children am 9. Mai 2010

Opens external link in new windowAbgedruckt in: Rieser Nachrichten 14.05.2010

Großartiges Zeugnis tiefer
Religiosität

 

Joseph Haas‘ und John Rutters
Gemeinsamkeiten

 

von Ernst Mayer

 

Nördlingen Vor 50 Jahren, am 30. März 1960 starb der in Maihingen geborene Komponist, Kompositionslehrer und langjährige Präsident der Münchner Musikhochschule Joseph Haas. Dies war für KMD Udo Knauer Anlass, in den Rieser Kulturtagen das „Te Deum“ aufzuführen, das Haas 1945, kurz nach dem Ende des 2. Weltkrieges, im Alter von 65 Jahren komponierte. Dieser legte damit ein sehr persönliches musikalisches Zeugnis der Erleichterung über das Ende dieses endlosen, todbringenden, die Welt erschütternden Ereignisses ab. Genau 65 Jahre nach der Kapitulation am 9. Mai 1945 wurde dieses Werk nun erstmals in Nördlingen aufgeführt.

 

Eine Befreiung

Für den Komponisten war das Kriegsende selbst eine Befreiung. Zwar war er auch in der Zeit des Nationalsozialismus anerkannter Kompositionslehrer in München, doch war er wegen seines Eintretens für neue Musik als „Fortschrittsapostel“ oder wegen seines praktizierten katholischen Glaubens wegen angeblicher „Romhörigkeit“ Angriffen ausgesetzt. Das „Te Deum“ ist ein herausragendes Beispiel dafür, dass Joseph Haas trotz des Verständnisses für seine zahlreichen in Zwölftonmusik und Atonalität abschweifenden Zeitgenossen bewusst einen volksnahen, traditionellen Stil pflegte. Die Musik sollte seiner Ansicht nach „erfreuen, nicht beleidigen; sie soll erschüttern, nicht zerschmettern; sie soll veredeln, nicht banalisieren“. Diesem Ziel wurden die Aufführenden, wenn man von den allzu laut schmetternden Blechbläsern und Pauken absieht, weitestgehend gerecht.

 

Prächtige Musik

Sie erfüllten den Raum der Nördlinger Georgskirche mit prächtiger Musik. Die Vorstellung vom Lob der himmlischen Mächte verwirklichten sie mit mehr als hundert Stimmen ebenso überzeugend wie die schlichte Hoffnung auf die Barmherzigkeit des Herrn. Der stets aufmerksame und stimmgewaltige Chor der Kantorei St. Georg war der markanten Musik des Tübinger Orchesters „Sinfonietta“ ebenbürtig, und so gelang es Udo Knauer mit präzisem Dirigat das monumental wirkende „Te Deum“ zu einem großartigen Zeugnis der tiefen Religiosität des im Ries geborenen Komponisten zu gestalten.

 

Gestaltungsfähigkeit

Dazu trugen auch zu einem wesentlichen Teil die beiden Solisten Christine Merz (Sopran) und Johannes Weinhuber (Bariton) bei, die nicht nur mit ihrer Stimmkraft sondern auch mit ihren Gestaltungsfähigkeiten zu überzeugen wussten. Sie kamen mit dem großen Kirchenraum gut zurecht und empfahlen sich für weitere Auftritte.

„Grundverschiedene Gemeinsamkeiten“ sah Udo Knauer bei Joseph Haas und John Rutter und stellte dem „hymnischen“ Werk des einen die „in weiten Teilen liebliche, nach innen gewandte, von bezaubernden Melodien getragene Vertonung der lateinischen Messe“ des anderen gegenüber.

Der in Cambridge, England, geborene Rutter zählt gegenwärtig zu den populärsten Komponisten geistlicher Chorwerke. In der mit ins Konzert genommenen „Mass of the children“ wurde auch schnell klar, dass der Erfolg auf einer eingängigen Harmonik und Rhythmik beruht, die den heutigen Menschen vielfach begegnet, in der Filmmusik ebenso wie in manchen Bereichen der modernen Popularmusik.

 

Gelungene Verbindung

John Rutter bereichert in der gelungenen Verbindung traditioneller Messliturgie mit angemessenen zeitgemäßen musikalischen Mitteln die gegenwärtige Kirchenmusik und weist damit eine Gemeinsamkeit mit Haas auf, der sich einer jedem Gläubigen verständlichen Musik verpflichtet sah. Besonders beeindruckend wirkte diese „Kindermesse“ durch die Einbeziehung von vielen Kinderstimmen. Die Kinderkantorei von St. Georg und der von Silke Kessler geführte Schulchor des Nördlinger Gymnasiums belebten mit ihren frischen Stimmen das musikalische und mit ihrer hellen Kleidung das äußerliche Erscheinungsbild der Aufführung.

 

Lang anhaltender Beifall

Dass dieses gemeinsame Musizieren sowohl den Musikern wie den Sängern viel Freude bereitete, quittierten die zahlreichen Zuhörer mit einem lang anhaltenden Beifall.